Geldsystem verstaatlichen

Geldsystem verstaatlichen

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Die Idee in Kürze

Die meisten Menschen glauben, Geld werde vom Staat oder der Zentralbank geschaffen. In Wahrheit entstehen heute rund neunzig Prozent des umlaufenden Geldes als Buchgeld in den Computern privater Geschäftsbanken — jedes Mal, wenn eine Bank einen Kredit vergibt. Das Geld wird aus dem Nichts erzeugt, verschwindet mit der Tilgung wieder, und die Banken verdienen Zinsen dafür.

Die Idee, das Geldsystem zu verstaatlichen — auch Vollgeld genannt — kehrt das um. Nur noch die Zentralbank darf Geld schaffen; die Geschäftsbanken werden zu reinen Vermittlern zwischen Sparern und Kreditnehmern. Was wir auf dem Girokonto haben, wäre dann echtes staatliches Geld — und nicht mehr ein Versprechen der Bank, uns im Notfall auszahlen zu können.

Die Schweiz hat 2018 über eine entsprechende Initiative abgestimmt und sie mit 75,7 Prozent abgelehnt. Die Diskussion in Fachkreisen geht weiter; der Internationale Währungsfonds hat das Konzept ebenfalls untersucht.

Pro und Contra

Dafür spricht

  • Stabilität des Finanzsystems. Kundeneinlagen liegen außerhalb der Bankbilanzen — eine Bankenpleite würde das Geld der Einleger nicht mehr gefährden.
  • Ende der Bankenrettungen. „Too big to fail" wäre kein Argument mehr — Steuerzahler müssten keine Banken mehr retten.
  • Geldschöpfungsgewinn für die Allgemeinheit. Der Vorteil aus der Geldschöpfung käme dem Staat zu, nicht den Banken. Nach Schätzungen: mehrere Hundert Milliarden Euro allein in Deutschland — einmalig.
  • Demokratische Kontrolle. Die Geldmenge wird nicht mehr von der Kreditvergabefreude privater Banken bestimmt, sondern von einer demokratisch kontrollierten Institution.
  • Weniger Spekulationsblasen. Wenn Banken kein Geld mehr aus dem Nichts schaffen können, fließt weniger in Immobilien- und Finanzblasen.
  • Transparenz. Geldschöpfung und Geldmengensteuerung werden sichtbar und nachvollziehbar.

Dagegen spricht

  • Kreditverknappung. Banken könnten weniger Kredite an Unternehmen und Privatleute vergeben — das könnte Wachstum und Investitionen bremsen.
  • Macht der Zentralbank. Die EZB oder Bundesbank bekäme enorme, fast planwirtschaftliche Steuerungsmacht über die Geldmenge.
  • Übergangsprobleme. Die Umstellung wäre enorm komplex und potenziell destabilisierend — niemand hat Erfahrung damit.
  • Banken finden Wege. Kredit- und Geldschöpfungs-Ersatz könnten in andere Finanzinstrumente ausweichen (Schattenbanken), das Problem also verlagern statt lösen.
  • Nicht alle Finanzkrisen wären vermieden. Kritiker betonen: Eigenkapitalmangel, faule Kredite und Spekulation sind auch mit Vollgeld möglich.
  • Internationaler Alleingang schwierig. Ein einzelnes Land würde in einem offenen Kapitalmarkt in eine schwierige Sonderrolle geraten.

Persönlicher Kommentar

Wenn ich Leuten erzähle, dass in unserem heutigen System der größte Teil des Geldes nicht vom Staat, sondern von privaten Banken geschaffen wird, reagieren die meisten zunächst ungläubig. „Das kann doch nicht sein." Doch, es ist so — und allein diese Tatsache ist für mich Grund genug, die Idee Vollgeld ernst zu nehmen.

Dass ein öffentliches Gut wie unser Zahlungssystem in privater Hand liegt, ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis einer historischen Entwicklung. Die Finanzkrise von 2008 hat mehr als deutlich gezeigt, welche Risiken damit verbunden sind. Milliarden an Steuergeldern haben wir aufgewendet, um Banken zu retten, die aus dem Nichts geschaffenes Geld verspekuliert hatten.

Die Einwände — Kreditverknappung, Übergangsrisiken, Macht der Zentralbank — sind ernst zu nehmen. Aber auch sie lassen sich konstruktiv diskutieren. Was mich überzeugt: Die Debatte über Vollgeld stellt die richtigen Fragen, selbst wenn man am Ende zu einem anderen Ergebnis kommt. Wer darf Geld schaffen? Wem dient der Gewinn daraus? Wer trägt die Risiken?

Deshalb finde ich: Es lohnt sich, diese Idee weiter zu verfolgen — gerade weil sie so selten öffentlich behandelt wird.

Links

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