Persönliches Energiebudget

Persönliches Energiebudget für jeden Menschen

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Die Idee in Kürze

Jeder Mensch bekommt ein jährliches Energie- bzw. Klimakontingent — gleich groß für alle. Wer Strom, Heizöl, Benzin oder einen Flug bezahlt, gibt damit nicht nur Geld aus, sondern auch Punkte aus seinem persönlichen Budget. Wer sparsam lebt und sein Kontingent nicht ausschöpft, kann den Rest verkaufen. Wer mehr verbrauchen will, muss zukaufen — von anderen Bürgern oder vom Staat. Das Ganze läuft über eine elektronische „Klimakarte" oder eine App im Smartphone.

In der Fachdiskussion heißt das Konzept Personal Carbon Allowance (PCA) oder Personal Carbon Trading. Der Grundgedanke: Jeder Erdenbürger hat das gleiche Recht auf einen Anteil am verbleibenden globalen CO2-Budget — unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Lebensstil.

Erste theoretische Vorschläge gab es schon in den 1990er-Jahren. Damals wurde die Idee als zu kompliziert verworfen. Mit den Möglichkeiten digitaler Endgeräte und unter dem Eindruck der Klimakrise erlebt sie heute eine Renaissance — eine vielbeachtete Studie in Nature Sustainability hat 2021 dafür argumentiert, das Konzept ernsthaft erneut zu prüfen.

Welche Mengen sind realistisch?

Die Rechnung ist ernüchternd. Soll die Welterwärmung bei 1,5 Grad gestoppt werden, ergibt sich aus dem verbleibenden globalen CO2-Budget rein rechnerisch ein Anteil von etwa 1,5 Tonnen CO2 pro Person und Jahr.

Zum Vergleich, was Menschen heute jährlich tatsächlich emittieren:

Ein häufig diskutierter Übergangspfad sieht vor: Industrieländer reduzieren auf rund 3 Tonnen pro Person, Schwellenländer auf 2 Tonnen, Entwicklungsländer dürfen ihre niedrigen Werte vorübergehend leicht erhöhen — bis 2050 konvergieren alle bei etwa 1 Tonne pro Person und Jahr.

Pro und Contra

Dafür spricht

  • Klimagerechtigkeit. Jeder Mensch hat einen gleich großen Anteil am verbleibenden Budget — unabhängig von Herkunft und Vermögen.
  • Wirksamer Hebel. Die Idee setzt direkt am Verhalten an, nicht an abstrakten staatlichen Zielen, die im Alltag niemand spürt.
  • Sparen lohnt sich. Wer wenig verbraucht, kann sein Restbudget verkaufen — ein finanzieller Anreiz für klimafreundliches Leben.
  • Greifbar statt abstrakt. Statt komplizierter Berechnungen sieht jeder den eigenen „Klimakontostand" wie heute den Bankkontostand.
  • Globale Gerechtigkeit denkbar. Das Modell lässt sich auf ein internationales System ausweiten — wer historisch viel emittiert hat, gibt zuerst ab.
  • Eigenverantwortung statt Verbote. Der Staat schreibt nicht jeden Verzicht vor; er definiert nur den Rahmen, der Bürger entscheidet selbst.

Dagegen spricht

  • Datenschutz. Jeder Verbrauch (Tanken, Heizen, Fliegen) wird elektronisch erfasst. Die Sorge vor einem „gläsernen Bürger" ist berechtigt.
  • Bürokratie. Eine flächendeckende Erfassung jedes CO2-relevanten Kaufvorgangs erfordert eine erhebliche Verwaltungsstruktur.
  • Reichtum kauft Freiheit. Wohlhabende können sich Zusatzkontingente leisten — der „Klima-Bonus" für Sparsame würde sie kaum berühren.
  • Nationale Alleingänge schwer. In einem Land mit PCA wäre vieles teurer als nebenan — Tank- und Konsumtourismus wäre vorprogrammiert.
  • Bevormundungs-Vorwurf. „Klimakarte" und „Kontingent" lösen Befürchtungen vor staatlicher Verhaltenskontrolle aus, gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung.
  • CO2-Steuer ist einfacher. Eine ausreichend hohe CO2-Steuer (mit Sozialausgleich) hat eine ähnliche Wirkung, ist aber technisch viel leichter umzusetzen.

Persönlicher Kommentar

Was mich an der Idee fasziniert, ist ihre konsequente Schlichtheit. Wir reden seit Jahrzehnten über Klimaziele in Tonnen und Prozenten und Pfaden — Zahlen, mit denen kein normaler Mensch im Alltag etwas anfangen kann. Ein persönliches Energiebudget übersetzt das in eine Sprache, die jeder versteht: einen Kontostand. Ein Schritt in die Welt, in der man nicht nur weiß, wie viel etwas kostet, sondern auch, wie viel es belastet.

Auffallend ist die Verwandtschaft zur Idee des bedingungslosen Grundeinkommens: Auch hier bekommt jeder Mensch von Geburt an einen gleichen Anteil an etwas, das uns allen gemeinsam gehört — beim BGE der wirtschaftliche Wohlstand, beim Energiebudget die Atmosphäre. Beides sind Versuche, die Frage der Verteilung neu zu stellen.

Die Bedenken — Datenschutz, Bürokratie, Bevormundungsgefühl — sind ernst zu nehmen. Eine Klimakarte, die jeden Liter Benzin elektronisch protokolliert, hat das Potenzial zum Albtraum, wenn sie schlecht gemacht wird. Aber dasselbe gilt für jede neue Technik. Die Frage ist nicht, ob die Risiken existieren, sondern ob die Idee sie wert ist.

Ich denke: Ja. Auch diese Idee halte ich für wert, weiter verfolgt zu werden — gerade weil sie das Klimaproblem aus der Welt der Konferenzen zurückholt in den Alltag jedes einzelnen Menschen.

Links

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